Wie Batterien zu neuen Rohstoffen "verbrannt" werden

Die Firma Batrec in Wimmis übernimmt das Recycling von 120 Millionen Schweizer Batterien jährlich. Schülerinnen und Schüler des Gymnasiums Interlaken konnten sich vor Ort davon überzeugen, wie aufwendig dieser Prozess ist. Nach dem Rundgang waren sich jedoch alle einig: Die Arbeit lohnt sich!

Batterien bestehen aus vielen Bestandteilen, die wiederverwertet werden können.

Batterien bestehen aus vielen Bestandteilen, die wiederverwertet werden können. Bild: Huguette Roe/Shutterstock.com

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Verwertungsbilanz von Batterien

Aus 1000 kg Altbatterien entstehen beim Recycling

  • 50 - 100 kg organische Stoffe (Kunststoff, Papier, Wachs)
  • 50 - 100 kg Kohle
  • 50 - 100 kg Wasser und Salze
  • 300 kg Ferromangan
  • 200 kg Zink
  • 0.3 kg Quecksilber
  • 80 kg Schlacke

Quelle: Batrec

Handys, MP3-Player, Digitalkameras und Laptops sind aus unserem Leben praktisch nicht mehr wegzudenken. Damit wir uns mit diesen Geräten frei bewegen können, wird die Energie in Akkus, also wideraufladbaren Batterien,
gespeichert.

Jährlich werden in Europa über fünf Milliarden Batterien und Akkus verkauft, alleine in der Schweiz 120 Millionen. Diese enthalten Stoffe wie Quecksilber, Zink, Blei und Mangan, vor welchen Umwelt und Mensch geschützt werden müssen. Trotzdem landen auch heute noch rund ein Drittel der Batterien im Abfallsack und gelangen mit Gemüseresten und Joghurtbechern in die Kehrichtverbrennungsanlage. "Wenn wir Altbatterien sammeln und ihre Bestandteile der Wiederverwendung zuführen, statt in den Abfall zu werfen, leisten wir einen wichtigen Beitrag zur Erhaltung unserer Ressourcen. Zudem schützen wir die Umwelt vor schädlichen Schwermetallen und Giftstoffen", erklärt Reiner Werren von der Firma Batrec.

Pyrolysieren, Schmelzen und Kondensieren

Der Recyclingprozess beginnt beim Käufer, der seine verbrauchten Batterien und Akkus in den Laden zurückbringt. Jeder Batterienverkäufer ist dazu verpflichtet, diese kostenlos zurückzunehmen und zu sammeln. Mehr als 12‘000 solche Sammelstellen gibt es in der Schweiz.

Die Batterien werden von einem Lastwagen in den Verkaufsgeschäften abgeholt und in die Firma Batrec nach Wimmis transportiert. Dort werden sie nach Grösse und chemischer Zusammensetzung sortiert und Fremdstoffe entfernt, darunter zum Beispiel Plastikteile von Elektrogeräten.

Danach werden die Batterien bei Temperaturen bis 700° Celsius pyrolisiert. Darunter versteht man die Verschwelung der Batterien mit möglichst wenig Sauerstoff. Plastik- und Papierteile der Batterien werden dabei verkohlt und die frei werdende Energie für die Pyrolyse genutzt. Gleichzeitig verdampfen Wasser und Quecksilber. "Das stark gesundheitsschädliche Quecksilber wird in der Quecksilberdestillation kondensiert und kommt mit einer Reinheit von 99.99 Prozent wieder auf den Markt", erklärt Werren. Abgase wie Dioxine und Furane – giftige organische Verbindungen, die als Nebenprodukte entstehen – werden in Nachbrennern bei über 1000°C verbrannt.

Die pyrolisierten Batterien kommen in den Schmelzofen, wo sie bei 1500°C reduziert und geschmolzen werden. Als erstes verdampft das Zink, das über einen Kondensator zurückgewonnen wird. Später verkauft Batrec das Metall an Verzinkerein, die Zink nutzen, um Eisen gegen Rost zu schützen. Die Mitarbeiter, die am riesigen Schmelzofen arbeiten, tragen spezielle Schutzanzüge und sehen aus, als wären sie in Alufolie eingewickelt. Die Anzüge schützen sie vor den hohen Temperaturen und dem Funkensprung beim Anstechen der im Ofen zurückbleibenden Schmelze aus Eisen und Mangan. Die Schmelze wird anschliessend zu festem Ferromangan-Barren ausgekühlt. Diese werden in der Industrie unter anderem verwendet, um die Härte von Stahl zu regulieren. Die auf der Schmelze schwimmende Schlacke gelangt in abgekühltem Zustand als schwarzer Feststoff auf eine (Inertstoff-)Deponie.

Und wer bezahlt das aufwendige Batterierecycling, die riesigen Öfen und die moderne Steuerzentrale, die mit den vielen Computern einem Flugzeugtower gleicht? "Für jede in der Schweiz verkaufte Batterie bezahlt der Konsument eine vorgezogene Entsorgungsgebühr, mit welcher die Sammlung, der Transport und das Recycling bezahlt wird. Diese garantiert jedem Batteriekäufer eine sachgerechte Entsorgung", erklärt Werren sichtlich stolz.

Hier findest du einen 8minütigen Film über das Batterierecycling.

Quelle: Technoscope 3/09: Kostbare Rohstoffe. Technoscope ist das Technikmagazin der SATW für Jugendliche

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