Von Tracheen und Hämolymphe – Wie ein Bienenkörper funktioniert

Im Bienenkörper wird verdaut und geatmet, wie in unserem Körper auch. Jedoch sind die Organe kleiner und „insektentypisch“ gebaut. Auch besitzen Bienen einen offenen Blutkreislauf und ein Atemsystem aus Luftröhrchen.

Biene auf Blüte

Der Bienenkörper ist in drei Abschnitten gegliedert: Kopf, Brust und Hinterleib. Bild: Sergey Lavrentev/Shutterstock.com

Der Bienenkörper besteht aus drei Abschnitten

Honigbienen gehören zu den Insekten und somit zum Stamm der Gliederfüsser. Wie bei allen Insekten ist ihr Körper in drei deutliche Abschnitte gegliedert: Kopf mit Augen, Fühlern und Mundwerkzeug, Brust (Thorax) mit drei Beinpaaren und zwei Flügelpaaren und Hinterleib (Abdomen), in dem sich bei weiblichen Bienen der Stachel befindet. Der ganze Körper ist von einem festen Panzer aus Chitin umgeben, der ihnen Stabilität und Schutz gibt. Bienen haben nämlich kein Knochenskelett wie Wirbeltiere. Von aussen sehen Bienen also ganz schön anders aus als wir. Doch wie sieht es im Bienenkörper drin aus?

Das Blut der Bienen heisst „Hämolymphe“

Insekten besitzen wie wir Verdauungsorgane, ein Nervensystem, ein Atemsystem und einen Blutkreislauf. Allerdings ist natürlich alles viel kleiner, und auch anders gebaut. Wie alle Insekten haben Honigbienen zum Beispiel einen offenen Blutkreislauf. Ihr „Blut“ ist gleichzeitig auch Gewebsflüssigkeit (Lymphe) und wird Hämolymphe genannt. Anders als bei uns transportiert es keinen Sauerstoff und enthält deshalb auch kein oder nur wenig Hämoglobin. Darum ist die Hämolymphe auch nicht rot, sondern meistens durchsichtig oder grünlich-gelb. Ihre Funktion ist der Transport von Nährstoffen, Proteinen, Hormonen und Abfallstoffen zwischen den Organen. Ausserdem enthält sie spezielle Zellen, die Wunden reparieren und Krankheitserreger bekämpfen.

Die Organe schwimmen in einem Hohlraum, gefüllt mit Hämolymphe

„Offen“ wird der Blutkreislauf deshalb genannt, weil die Hämolymphe nicht in geschlossenen Adern fliesst. Bienen haben im Rücken eine Art Schlauch, der sich vom Hinterleib bis zum Kopf erstreckt. Im Hinterleib ist der Schlauch geschlossen, man spricht hier vom Herzen, im Kopf ist er offen, so dass hier Hämolymphe austritt und das Gehirn damit versorgt wird. Die Hämolymphe verteilt sich dann durch den Körper und wird durch kleine Öffnungen ins „Herz“ eingesogen und wieder in den Kopf gepumpt.

Statt Lungen haben Bienen ein Luftröhrchensystem

Sauerstoff wird bei Honigbienen nicht wie bei uns mit dem Blut transportiert. Als Insekten atmen Bienen nämlich nicht wie wir mit Lungen, sondern mit einem System von starren Luftröhrchen: den Tracheen. Tracheen münden an der Körperoberfläche in Atemöffnungen und durchziehen fein verzweigt den ganzen Körper. So werden Muskeln und Organe von einem Geflecht dünnster Röhrchen umgeben, durch die Luft strömt, so dass der Gasaustausch stattfinden kann. Dieser Luftaustausch ist weitgehend passiv und wird nicht wie bei uns durch Atemmuskeln angetrieben.

Monsterinsekten? Nicht mit Tracheenatmung

Dieses Tracheenatmungssystem gilt übrigens auch als ein Grund, warum es keine gigantisch grossen Insekten gibt: je grösser Insekten sind, desto breiter müssen auch die Luftröhrchen sein, damit die Luft zu den Organen und Gliedern gelangen kann. Doch irgendwann werden die Tracheen zu breit für die dünnen, langen Insektenbeine, so dass diese nicht mehr genügend mit Frischluft versorgt werden können. Bei uns Säugetieren ist es anders, wir besitzen nämlich ein Blutkreislaufsystem mit Venen und Arterien, das Sauerstoff und Kohlendioxid im Körperinnern transportiert.

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