Strahlung im Alltag

Die Strahlung von radioaktiven Stoffen können wir – wie manche chemischen Gifte auch – weder sehen, noch riechen, noch fühlen. Erst seit gut einem Jahrhundert haben die Forscher weltweit dieses Naturphänomen untersucht und festgestellt: Radioaktivität ist in der Natur etwas Allgegenwärtiges, und das Leben hat sich seit Jahrmilliarden darauf eingestellt.

Untersuchung mittels Computertomographie

Bei einer Computertomographie wird die Patientin oder der Patient Röntgenstrahlen ausgesetzt. Bild: CanStockPhoto

Radioaktivität ist immer und überall auf der Erde vorhanden. Sogar unser Körper ist radioaktiv: Jede einzelne unserer Körperzellen beherbergt etwa eine Million radioaktiver Atome. Und jede Sekunde zerfallen etwa 9000 radioaktive Atome in unserem Körper und senden dabei Strahlung aus. Mehr als die Hälfte dieser Strahlung stammt von natürlich vorkommenden radioaktiven Kalium-Atomen, die mit der Nahrung in den Körper gelangen. Aber auch radioaktiver Kohlenstoff (das C-14, das für die Altersbestimmung von organischem Material Verwendung findet) sowie Uran und Thorium und deren radioaktive Zerfallsprodukte wie Radium, Radon und Polonium befinden sich natürlicherweise in unserem Körper.

Umgeben von Radioaktivität

Da wir Menschen kein Sinnesorgan für die Strahlung von radioaktiven Stoffen haben, wurde die Radioaktivität erst spät – am Ende des 19. Jahrhunderts – und mehr durch Zufall vom französischen Physiker Henri Becquerel entdeckt und danach von Marie Curie, Wilhelm Röntgen und weiteren Wissenschaftern beschrieben. Heute wissen wir, dass radioaktive Stoffe allgegenwärtig sind.

Bananenstaude

Bananen enthalten verhältnismässig viel Kalium, und da dieses Element zu 0,0117 Prozent aus dem radioaktiven Kalium-40-Isotop besteht, lässt sich in Bananen natürlicherweise eine etwas höhere Radioaktivität messen als in anderen Lebensmitteln. Bild: CanStockPhoto

All unsere Nahrungsmittel wie auch das Trinkwasser sind natürlicherweise schwach radioaktiv. Nahrungsmittel mit hohem Kaliumgehalt – z. B. Bananen – weisen eine etwas erhöhte Radioaktivität auf. Dabei variiert die Aktivität stark je nach geologischem Untergrund. Im indischen Bundesstaat Kerala beispielsweise, wo das Gestein besonders viel radioaktives Thorium enthält, liegt die Aktivität in Kartoffeln rund 30 Mal höher als anderswo. Hohe Werte werden auch in einsetzendem Regen gemessen, wenn das (natürliche) radioaktive Gas Radon und seine Zerfallsprodukte aus der Luft ausgewaschen werden. 

Einfluss von Geologie und Höhenlage

Die Nahrung trägt jedoch nur einen geringen Teil zur gesamten Strahlenbelastung bei. Etwa gleich stark werden wir aus Gesteinen und Baustoffen (terrestrische Strahlung) und aus dem Weltraum (kosmische Strahlung) bestrahlt. Auch hier gibt es grosse Unterschiede von Ort zu Ort: Je nach Geologie ist in den Alpen die terrestrische Strahlung höher als im Mittelland. Dazu kommt noch die Höhenlage: Je höher jemand wohnt, desto weniger wird die kosmische Strahlung durch die Atmosphäre abgeschwächt, so dass die Belastung in den Bergtälern mehr als doppelt so stark sein kann wie im Tiefland. Noch stärker ins Gewicht fällt die kosmische Strahlung beim Fliegen: In 10’000 Metern Höhe ist sie rund hundertmal stärker als am Boden.

Hohe Dosen vom natürlichen Radon

Der Löwenanteil der natürlichen Strahlung stammt in der Schweiz jedoch vom Radon. Radon ist ein Edelgas, das beim radioaktiven Zerfall des Urans in unseren Gesteinen entsteht und seinerseits in weitere radioaktive Stoffe zerfällt. Es steigt aus dem Boden auf, und seine Zerfallsprodukte können sich in schlecht belüfteten Räumen anreichern und über die Atmung in die Lunge gelangen. Radongas kommt überall in der Schweiz vor, mit sehr grossen lokalen Schwankungen. Die höchsten Belastungen werden in den Alpen und im Jura gemessen, aber auch in vereinzelten Gebieten im Mittelland.

Erhebliche Dosen aus der Medizin

Ein wesentlicher Teil der gesamten Strahlendosis, der Menschen in der Schweiz ausgesetzt sind, stammt aus der Medizin, insbesondere aus der medizinischen Röntgendiagnostik. Eine einzige computertomographische Untersuchung (CT) kann in Sekunden zu einer Strahlendosis führen, die der Hälfte des jährlichen Grenzwerts für Personen entspricht, welche beruflich strahlenexponiert sind. Die Belastung ist jedoch sehr ungleich in der Bevölkerung verteilt: Nur wenige Prozent sind solchen Strahlendosen aus medizinischen Gründen ausgesetzt. Rund zwei Drittel der Bevölkerung erhalten praktisch keine Dosis aus der Röntgendiagnostik.

Kaum ins Gewicht fallen in diesem Vergleich übrigens die technischen Strahlenquellen in Industrie, Forschung und von schwach radioaktiven Gegenständen des täglichen Lebens, und ebenso wenig die Spuren aus den Atombombenversuchen vor 50 Jahren oder aus dem Unfall in Tschernobyl im April 1986. Die Strahlendosen in der Umgebung der Schweizer Kernkraftwerke sind noch geringer und im Vergleich zu den natürlichen Strahlenquellen bedeutungslos.

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