Orientierung ohne GPS und Kompass – kann der Mensch das überhaupt?

Der Mensch erstellt eine Art „innere Karte“, an der er sich auch ohne GPS orientieren kann. Sind Männer und Frauen darin gleich gut? Und was passiert, wenn wir uns verirren?

Kompass und Karte

Im Gegensatz zu einigen Ureinwohner-Völkern haben wir unser natürliches Gefühl für die Himmelsrichtungen weitgehend verloren – doch zum Glück gibt es dafür Kompass und Karte. Bild: Triff/Shutterstock.com

Dank Landmarken finden wir den Weg von A nach B

„Bei der Kirche links, danach die zweite Strasse rechts und vor dem Brunnen gleich wieder links“. Dank solchen Wegbeschreibungen finden wir uns meistens auch ohne GPS und Navigationsgerät in fremden Städten zurecht. Forscher vermuten, dass wir in unserem Kopf eine Art „innere Karte“ erstellen, die uns bei der Orientierung hilft. Dabei merken wir uns Weg- und Landmarken (wie spezielle Bäume oder Häuser), Entfernungen und Abzweigungen und basteln uns so eine Route von A nach B. Besonders geschickte Orientierungskünstler besitzen zusätzlich ein „Richtungsbewusstsein“ und verschaffen sich einen Überblick. Das heisst, sie erkennen räumliche Zusammenhänge und wissen dann zum Beispiel, dass die Strasse, auf der sie sich gerade befinden, rechtwinklig zum Fluss liegt. Im zweiten Teil zur menschlichen Orientierung erfährst du unter anderem, wie man unseren Orientierungssinn mit einem „Riesenhamsterrad“ erforschen kann.

Sind Männer wirklich besser im Kartenlesen?

Wissenschaftler haben herausgefunden, dass Frauen sich häufig an Landmarken orientieren. Männer hingegen nutzen oftmals zusätzlich die Himmelsrichtungen und einen Gesamtüberblick, deshalb können sie in der Regel etwas besser Karten lesen und sich räumlich orientieren als Frauen. Dies bedeutet aber nicht automatisch, dass Frauen einen schlechteren Orientierungssinn haben, sondern nur, dass sich Männer und Frauen auf unterschiedliche Art und Weise orientieren. Dafür verantwortlich sind vielleicht die Unterschiede in den Gehirnen der beiden Geschlechter. Auch die Erfahrungen als Kind – also ob man eher mit Legosteinen gebaut oder Puppenmama gespielt hat - haben einen Einfluss auf das räumliche Denken. Genetisch vorprogrammiert ist eine „Frauen- oder Männerorientierung“ wahrscheinlich nicht.

Links-rechts-lose Völker, oder „rück mal ein Stück nach Süden“

„Links ist dort, wo der Daumen rechts ist“, lernen bei uns schon kleine Kinder. Doch „rechts“ ist flexibel – von dir aus gesehen befindet es sich an einem anderen Ort als von mir aus gesehen. Viele Kulturen benutzen Richtungsangaben wie rechts, links oder geradeaus. Doch es gibt auch einige Ureinwohner-Völker, die sich an den Himmelsrichtungen orientieren. Diese sind im Gegensatz zu unserem System immer gleich, egal von wem aus gesehen. Sätze wie „Gib mir mal das Messer nördlich vom Krug“, oder „Achtung, westlich von dir befindet sich eine Schlange“ sind dann ganz normal. Wissenschaftler vermuten, dass diese Art von Richtungsangabe zuerst da war, und die Menschen im Laufe der Zivilisierung in den sich entwickelnden gleichtönigen Städten ihren „inneren Kompass“ verloren haben – so könnte das rechts-links-System entstanden sein.

Bei diesem Baum war ich doch schon mal...

Und was passiert, wenn wir uns verirren? Aus Filmen kennen wir die Szene, in der der verlorene Held ohne Orientierung ständig im Kreis geht und seine eigenen Spuren kreuzt. Doch geschieht das auch in Wirklichkeit? Und hat es damit zu tun, dass ein Bein stärker ist als das andere und uns unmerklich zwingt im Kreis zu laufen? Um dies herauszufinden, liessen Wissenschaftler Testpersonen in für sie unbekanntem Gelände herumirren. Konnten sich die Teilnehmer an Sonne oder Mond orientieren, fanden sie ihr Ziel relativ gut. Doch ohne Orientierungshilfe (wenn zum Beispiel Wolken die Sonne verdeckten) waren die Testpersonen unfähig, eine Richtung zu halten. Sie sind ständig von der Gerade abgewichen und liefen in Bögen bis sie ihre eigenen Spuren kreuzten – wie der herumirrende Held im Film. Die Kreisform, die ihr Weg beschrieb, entstand ganz zufällig dadurch, dass sie kreuz und quer gelaufen sind. Um auf dem richtigen Weg zu bleiben, muss also der Mensch seine eigenen Sinneseindrücke ständig mit äusseren Orientierungspunkten abgleichen.

Zusammengefasst kann sich der Mensch dank Landmarken und räumlichem Vorstellungsvermögen eine „innere Karte“ erstellen. Ohne äussere Orientierungshilfen ist es allerdings für die meisten Menschen schwierig den Weg zu finden, denn durch die Verstädterung haben wir viel von unserem Orientierungssinn verloren.

Mehr über die Verwendung unserer Sinne (und was passiert, wenn ein Sinn ausfällt) erfährst du im zweiten Teil zur menschlichen Orientierung.

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fungaro schrieb:

spannend