Ein Hotelzimmer, das sich laufend wandelt

Dank intelligenter Steuerungstechnik kann der Energieverbrauch von Hotels markant reduziert werden. Je nach dem, ob sich der Gast im Zimmer befindet oder nicht, werden die Räume unterschiedlich beheizt und beleuchtet.

Ein "Intelligentes Hotelzimmer" passt sich automatisch an die Bedürfnisse des Gastes an
Ein "Intelligentes Hotelzimmer" passt sich automatisch an die Bedürfnisse des Gastes an - und spart erst noch Energie, ohne Komforteinbussen. Bild: Siemens

Auf den ersten Blick unterscheidet sich das Hotel in Sihl City nicht von einem beliebigen anderen Hotel in der Stadt Zürich. Als Hans Müller an die Reception geht, um das Zimmer zu beziehen, das er vor drei Tagen gebucht hat, erhält er nach dem Erledigen der üblichen Formalitäten von der freundlichen Empfangsdame den Schlüssel zu seinem Zimmer ausgehändigt. Allerdings hält er nun keinen normalen Schlüssel in den Händen, sondern eine sogenannte Keycard. Mit dieser Karte wird Hans Müller die Türe zu seinem Zimmer öffnen, sie verschafft ihm auch Zugang zu den hoteleigenen Gemeinschaftsräumen, und er wird sie auch benötigen, um am nächsten Morgen das Zimmer zu bezahlen.

Zimmerschlüssel steuert Heizung

Anhand der Keycard im Kartenhalter erkennt die Steuerung, dass sich der Gast im Hotelzimmer befindet

Anhand der Keycard im Kartenhalter (rechts unten) erkennt die Steuerung, dass sich der Gast im Hotelzimmer befindet. Bild: Siemens

Doch die Keycard kann noch viel mehr: Das Hotel gehört nämlich zu denjenigen Hotels, welche auf intelligente Weise Buchungssystem, Zimmerschlüssel und Haustechnik miteinander verbunden haben. Je nachdem, wo sich Herr Müller mit seiner Keycard gerade befindet, verändert sich der Zustand seines Zimmers. Bevor er das Zimmer betritt, befindet sich dieses im Dämmerzustand, dem "Pre-Comfort-Modus". Die Raumtemperatur ist leicht abgesenkt, die Lichter sind alle gelöscht. Sobald Herr Müller die Türe öffnet, wacht das Zimmer auf und wechselt in den Comfort-Modus: Die Grundbeleuchtung wird eingeschaltet, die Temperatur auf ein behagliches Niveau angehoben.

Herr Müller legt die Keycard in einen speziellen Kartenhalter, und da er gerne ein sehr gut geheiztes Zimmer hat, stellt er beim Kartenhalter die gewünschte Zimmertemperatur auf einen etwas höheren Wert. Innert weniger Minuten ist das Klima im Zimmer so, wie es Herr Müller gerne möchte. Als Herr Müller für das Nachtessen das Zimmer wieder verlässt, fällt dieses wieder in den Dämmerzustand zurück: Alle Lichter im Zimmer werden automatisch gelöscht, auch die Tischlampe, die Herr Müller versehentlich hat brennen lassen, und die Heizung wieder ausgeschaltet, bis die vorbestimmte Pre-Comfort-Temperatur erreicht ist. Als Herr Müller am nächsten Morgen an der Reception seine Rechnung bezahlt und das Hotel wieder verlässt, schaltet das Zimmer auf einen noch sparsameren Zustand um: Bis der nächste Gast einchecken wird, fällt das Zimmer nun in einen regelrechten Tiefschlaf, den "Economy Modus". Die vorgegebene Temperatur wird noch weiter abgesenkt, so dass der Energieverbrauch auf ein Minimum reduziert werden kann.

10 bis 20 Prozent weniger Energie

Ermöglicht wird diese intelligente Zimmersteuerung durch ein Leitsystem, das die Firma Siemens Buildings Technologies speziell für Hotels entwickelt hat. Lüftung, Heizung und Beleuchtung der Zimmer werden von einem zentralen Rechner aus koordiniert, ohne dass dies mit einer Komforteinbusse für den Gast verbunden wäre. Die Vorteile für alle liegen auf der Hand: Herr Müller kann das Klima in seinem Zimmer trotz der zentralen Steuerung genau so einstellen, wie er es möchte. Das Hotel wiederum kann viel Geld sparen: «Mit der automatischen Temperatursteuerung kann der Energieverbrauch der Zimmer um 10 bis 20 Prozent reduziert werden», rechnet Kurt Petak vor, der den Bereich Hotel Solutions bei Siemens betreut. «Und diese Einsparung rechnet sich für den Hotelbesitzer durchaus.»

Text: SATW / Felix Würsten
Quelle: Technoscope 1/11: Intelligente Häuser
Technoscope ist das Technikmagazin der SATW für Jugendliche
 
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