Wie funktioniert eine DNA-Haaranalyse?

Die DNA in den Zellen der Haarwurzel wird vervielfältigt und die charakteristischen Genabschnitte eines Menschen mit alten DNA-Proben verglichen.

So kann ein genetischer Fingerabdruck aussehen.

So kann ein genetischer Fingerabdruck aussehen. Jede Spalte entspricht einer anderen Person. Bild: Alila Sao Mai/Shutterstock.com

Miami. FBI-Agenten finden eine Männerleiche in einer Privatwohnung. Die in weisser Schutzkleidung und mit Handschuhen ausgestattete Spurensicherung durchstreift die Zimmer nach den Spuren des Verbrechens. Sie nehmen Fingerabdrücke, stecken Kleidungsfetzen in Plastiktüten und sammeln Haare ein. Der FBI-Agent fordert eine DNA-Analyse. Vielleicht findet man den Täter in einer FBI-Kartei.

Im Fernsehen geht es dann meist sehr schnell. Die Laboranalytiker haben die am Tatort gefundene DNA isoliert und zeigen eine wunderschöne Animation der DNA-Struktur auf einem riesigen Bildschirm. Der Computer zoomt in die Animation, dann wird ein Foto eines übel gelaunten Mannes gezeigt. Das Wort „Match“ wird eingeblendet. Volltreffer, der potenzielle Täter befand sich in der Datenbank.

Realität oder Fiktion?

So oder ähnlich funktioniert die Forensik, also die systematische Analyse und Rekonstruktion von Kriminalfällen, in der Fernsehserie CSI Miami. Doch wie sieht die Realität aus? Wie funktioniert eine DNA-Haaranalyse?

Fast jede unserer Zellen enthält DNA, unsere Erbsubstanz. So auch die Haarwurzel – das Haar selbst besteht aus toten Haarzellen, die keine DNA mehr enthalten. Eine Haarwurzel enthält nur wenige Zellen und damit auch wenig DNA. Deswegen muss die Erbinformation – bzw. bestimmte Abschnitte auf ihr - zunächst vervielfältigt werden.

Die Antwort liegt dazwischen

Für den genetischen Fingerabdruck schauen sich die Forensiker nur bestimmte Bereiche unserer Erbinformation an. Die DNA kann man grob in zwei unterschiedliche Arten von Bereichen unterteilen. Die bekanntesten Abschnitte sind die Gene. Sie enthalten die genetische Information für ein bestimmtes Merkmal. Dazwischen sind Abschnitte, die scheinbar sinnlos sind. Denn sie bestimmen keine Merkmale.

Aber ganz so ist das nicht. Man weiss heute, dass viele dieser Bereiche zwischen den Genen zwar nicht ein einzelnes Merkmal bestimmen. Sie haben jedoch Einfluss auf die Gene in der Nachbarschaft und damit auf die Stärke der Ausprägung mancher Merkmale. Und man weiss, dass diese Abschnitte bei allen Menschen etwas unterschiedlich sind. Man kann also sagen, dass viele Unterschiede zwischen den Menschen nicht unbedingt nur in den Genen, sondern auch zwischen den Genen liegen.

Der genetische Fingerabdruck

Um den genetischen Fingerabdruck zu bestimmen, wird die Länge dieser Abschnitte zwischen den Genen untersucht – sie ist bei jedem Menschen anders. Hat man an anderen Tatorten DNA-Spuren gesammelt und die Länge der Abschnitte gespeichert, können diese untereinander verglichen und so eine Person identifiziert werden.

Mit dieser Methode hat man aber kein detailliertes Wissen über die Erbinformation des Besitzers. Dazu müsste man die DNA noch sequenzieren, das heisst, deren Zusammensetzung genau bestimmen. Kennt man die Sequenz bestimmter Abschnitte der DNA, kann man zum Beispiel die Vaterschaft klären (wenn die Sequenz des Kindes grosse Ähnlichkeit aufweist) oder bestimmte genetische Krankheiten erkennen.

Alles gespeichert?

Das alles geht aber weder so schnell wie im Fernsehen, noch kann der Computer sofort das Bild der verdächtigen Person zur entsprechenden DNA heraussuchen. Allerdings sammeln die Polizeibeamten natürlich alle Spuren ein und lagern diese, so dass man auch Jahre nach einer Tat noch DNA-Proben eines Verdächtigen mit den DNA-Spuren am Tatort vergleichen kann. Noch gut zu wissen: Die Daten eines jeden Menschen, auch die genetischen, sind Privatsphäre und dementsprechend gesetzlich geschützt. Die Informationen zur DNA können nicht einfach weiter gegeben oder veröffentlicht werden.

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