Deine innere Uhr – von Eulen und Lerchen

Kennst du das Gefühl, frühmorgens aus dem Bett zu kämpfen und schlaftrunken in die Schule zu taumeln? Deine jüngeren Geschwister sind aber schon lange wach und strotzen nur so von Energie? Grund für diese Unterschiede ist die Einstellung unserer inneren Uhr.

Innere Uhr

Nachteule oder früher Vogel – unsere innere Uhr beeinflusst den Tagesrhythmus. Bild: Collage aus flickr/Drew McLellan, CC-Lizenz; flickr/António Pena, CC-Lizenz; flickr/kylesteed, CC-Lizenz

Die Chronotypen

Die innere Uhr wird von Hormonen gesteuert und richtet sich natürlicherweise nach dem Stand der Sonne. Wie das genau funktioniert erfährst du im Artikel "Jetlag – wenn die innere Uhr auf den Kopf gestellt wird". Der Stand der Sonne ist aber für alle Menschen in unserer Umgebung gleich und folgt einem 24-Stundentakt. Wieso haben dann deine jüngeren Geschwister oder deine Eltern einen anderen Schlaf-Wach-Rhythmus als du?

Neben den äusseren Einflüssen, hat unser Körper einen Eigenrhythmus, der bestimmt zu welcher Zeit wir wach werden, wann unsere Leistung ihren Höhepunkt erreicht und zu welcher Stunde uns am Abend die Augen zufallen. Dieser Rhythmus ist bei jedem Menschen individuell und wird zumindest teilweise von dem genetisch beeinflussten Chronotypen vorgegeben. Es gibt den Frühtypen (Lerche) und den Spättypen (Eule). Während die Lerche sich schon früh aus den Federn macht, läuft die Eule erst gegen Abend zu ihrer Höchstform auf. In den extremsten Fällen geht die Eule erst zu Bett, wenn die Lerche schon wieder aufsteht, etwa um vier Uhr in der Nacht. Man kann jedoch nur sehr wenige Menschen diesen extremen Formen zuordnen, meistens zeigen wir einen Mischtypen, zum Teil Normalfall genannt, auf. So wurden in einer Studie mit 5600 Jugendlichen nur 11% Lerchen und 9% Eulen eindeutig identifiziert.

Veränderung des Chronotypen in der Pubertät

Die Chronotypen sind nicht nur vererbbar, sondern auch veränderbar. Im Laufe unseres Lebens verschiebt sich der Schlaf-Wach-Rhythmus. Während Kinder eher Lerchen gleichen, entwickeln sich Jugendliche und junge Erwachsene zwischenzeitlich zu Eulen und im höheren Alter wieder zurück zu Lerchen. Jugendliche sind daher am Morgen häufiger müde und können dafür bis spät in die Nacht aufbleiben. Die Gründe für diese Umstellung sind noch nicht geklärt, es wird aber vermutet, dass sowohl hormonelle als auch soziale Veränderungen eine Rolle spielen. Dazu gehört zum Beispiel die Entwicklung neuer Freizeitaktivitäten am späteren Abend. Auch der mit zunehmendem Alter vermehrte Gebrauch von Smartphones, Tablets und Computern vor dem Einschlafen hat einen Einfluss auf unseren Schlafrhythmus. Das ausgestrahlte Tages- bzw. Blaulicht verzögert die Ausschüttung von Melatonin, dem Hormon, das den Schlaf fördert. Der gesamte Schlaf-Wach-Rhythmus kann sich dadurch verschieben.

Social-Jetlag

Manche Eulen hinken dem von ihrem Umfeld vorgegebenen Zeitplan hinterher. Wenn die Arbeit oder die Schule ein frühes Aufstehen verlangen, dann fühlen sie sich oft müde und nicht leistungsfähig. Dieses Phänomen wird von Schlafforschern „Social-Jetlag“ genannt, da die Auswirkungen, wie Schlafdefizite und Müdigkeit, dem Gefühl gleichen, das wir erfahren, wenn wir in eine andere Zeitzone reisen, in der der Sonnenaufgang und Sonnenuntergang nicht unserem Rhythmus entsprechen.

Anpassung der Zeitpläne und des Lebensstils

Müder Teenager

Beginnt die Schule zu früh, ist die Eule nicht produktiv. Bild: CanStockPhoto

Nicht weniger als 78,1% der befragten Schüler in einer Studie aus Basel, fühlen sich beim Schulbeginn um halb acht zu müde für den Unterricht. Das kann auch Auswirkungen auf die schulischen Leistungen und die Noten haben. So hatten Eulen in einer Studie von Schlafpsychologen in Basel tendenziell schlechtere Noten als Lerchen. Es ist jedoch nicht klar, ob sich die schlechten Noten auf die Schlafgewohnheiten ausgewirkt haben oder umgekehrt. In wenigen Schulen der Schweiz wurde der Stundenplan den Bedürfnissen der Jugendlichen etwas angepasst, und die Schule beginnt um acht Uhr.

Viele Schulen stossen aber auf politische und organisatorische Probleme, oder eine Verschiebung des Schulstarts kommt nicht zur Diskussion. Natürlich bedeutet eine Änderung des Zeitplans auch, dass Pausen gekürzt werden oder der Unterricht abends länger dauert. Das könnte wiederum die Freizeitaktivitäten oder das Familienleben beeinflussen. Eine einheitliche Anpassung des Stundenplans an allen weiteren Schulen, geschweige denn Arbeitsplätzen ist also nicht in Sicht. Den Eulen bleibt also meist nichts Anderes übrig, als sich dem vorgegebenen Zeitplan anzupassen.

Zusammenfassend kann man sagen, dass der angeborene Chronotyp – also Eule oder Lerche – einen Einfluss auf unseren Tagesrhythmus hat. Daneben spielt aber auch unser Verhalten eine grosse Rolle: Essgewohnheiten, Hobbies und soziale Kontakte können unseren natürlichen Eigenrhythmus stören.

Tipps für Nachteulen

Der eigene Chronotyp kann viele Probleme, mit denen Eulen täglich kämpfen, erklären. Aber auch Eulen können mit bestimmten Strategien dafür sorgen, dass sie nicht jeden Morgen erneut vor Müdigkeit beinahe umfallen. Der Schlafpsychologe Serge Brand rät kurze Power-Naps von zehn bis dreissig Minuten einzulegen und sich regelmässig zu bewegen. Ausserdem sollte man Smartphones vor dem Einschlafen nicht mehr gebrauchen, um den Einfluss des Blaulichts und allfälligen aufregenden Nachrichten zu vermeiden. Falls die Einschlafstrategien nichts nützen, kann man immerhin noch darauf hoffen, dass man sich im Laufe des Lebens wieder in eine Lerche verwandelt.

Verwechselst du manchmal Lerchen mit Lärchen? LErchen sind VögEl, LÄrchen sind BÄume.

Mehr zum Thema Schlaf findest du im Wissensmagazin der Universität Basel.

Durchschnittliche Bewertung:
  •  
(0 Bewertungen)

Was sagst Du dazu?

Dieser Artikel hat noch keine Kommentare erhalten.