Von der Laus und der Leber: Was unsere Verdauung mit unseren Gefühlen verbindet

Unsere Verdauung ist nicht nur ein lebensnotwendiger Vorgang, um Nahrung abzubauen und Energie zu gewinnen, sondern hat sich schon seit Jahrhunderten in bekannte Redewendungen der deutschen Sprache eingeschlichen.

Leber

Im Mittelalter dachten viele Leute, in der Leber befinde sich der Sitz der Emotionen. Daraus entstand die Redewendung „dir ist eine Laus über die Leber gelaufen“. Bild: CanStockPhoto

„Auf dem Magen liegen“

Weißt du, was es bedeutet, wenn dir etwas „auf dem Magen liegt“? Diese Redewendung hat zwei verschiedene Bedeutungen. Man kann sie einerseits für die Situation benutzen, die auftritt, wenn man eine Speise schlecht verdauen kann und folglich ein schweres Gefühl im Magen hat. Andererseits wird die Redewendung auch gerne im übertragenen Sinn benutzt: Wenn man sich beispielsweise mit einer Situation oder einem Problem lange auseinandersetzt – oder es eben nicht verdauen kann – dann bleibt es noch „auf dem Magen liegen“. Man hat also bis zur Beseitigung des Problems ein ähnlich unangenehmes Gefühl, wie wenn eine Speise schlecht verdaut werden kann.

„Eine Laus über die Leber gelaufen“

Laus

Die Laus: Kann dieses kleine Etwas uns wirklich in schlechte Laune versetzen? Bild: CanStockPhoto

Hat dich schon einmal jemand gefragt, ob dir eine Laus über die Leber gelaufen sei? Wenn ja, dann hattest du wahrscheinlich gerade ziemlich schlechte Laune. Diese Redewendung stammt ursprünglich aus dem Mittelalter und entstand in zwei Schritten. Viele Leute glaubten, dass die Gefühle eines Menschen sich in der Leber befänden. Darum wurde dieses Organ mit schlechter Laune in Verbindung gebracht. Das Sprichwort lautete zu dieser Zeit allerdings einfach: „jemandem ist etwas über die Leber gelaufen“. Aus diesem „etwas“ wurde erst einige Jahrhunderte später eine Laus, und die Redewendung erhielt damit eine weitere Bedeutung. Die Laus ist nämlich ein kleines, oft kaum sichtbares Insekt. Deswegen interpretiert man die Redewendung heute auch so, dass etwas Unwichtiges oder Unscheinbares – wie eben eine Laus – jemanden in schlechte Laune versetzt hat oder besonders reizbar macht. Weiterhin beginnen die Wörter „Laus“ und „Leber“ beide mit einem L, und diese Alliteration macht es einfacher, sich die Redewendung zu merken.

„Darauf habe ich noch lange herumgekaut

Wenn man Nahrung zu sich nimmt, dann zerkaut man sie, bevor sie heruntergeschluckt werden kann. Dies hat verschiedene wichtige Funktionen; zum einen wird die Nahrung so mechanisch zerkleinert und auf die eigentliche Verdauung im Magen vorbereitet. Zum anderen wird Speichel beigemischt, wodurch der Bissen besser geschluckt werden kann und die enzymatische Verdauung bereits beginnen kann. Die Verdauungsprozesse im Magen können somit schneller und besser ablaufen. Die Redewendung „da habe ich noch lange darauf rumgekaut“ kann also bedeuten, dass man etwas lange bearbeiten oder eben „kauen“ muss, bevor man das Problem wegstecken oder „verdauen“ kann.

Falls du gerne Genaueres zur Funktion und Ablauf der Verdauung wissen möchtest, dann schau dir doch diesen Artikel zum Weg der Nahrung durch unseren Körper an!

Die Verbindung zwischen Verdauung und Gefühlen: Sowohl in der Sprache als auch in der Wissenschaft bekannt

Es kommt nicht von ungefähr, dass so viele Redewendungen einen Zusammenhang zwischen bestimmten Gefühlen und unserer Verdauung herstellen. In der Medizin kennt man dieses Phänomen schon lange, wie das Beispiel des Reizmagens zeigt. Unter einem Reizmagen versteht man eine Verdauungsstörung des Magens mit Bauchschmerzen, bei der keine organische Ursache gefunden werden kann. Vielmehr vermutet man, dass ein Reizmagen eine Reaktion auf Stress und unangenehme Situationen ist, also von unserer Gefühlslage abhängig ist. Dieses Phänomen gehört zu den sogenannten psychosomatischen Störungen. Die Psychosomatik beschreibt in der Wissenschaft das Phänomen, dass psychische Vorgänge wie beispielsweise Angst oder Stress einen Einfluss auf die Somatik –also die Körperfunktionen – haben. Es gibt aber auch das umgekehrte Phänomen, dass körperliche Erkrankungen einen Einfluss auf unsere Emotionen haben können. Dies bezeichnet man als Somatopsychologie.

Die Verbindung von unseren Gefühlen mit den Verdauungsvorgängen ist schon lange bekannt und findet sich in vielfältiger Form in unserer Sprache, Kultur und der Wissenschaft wieder. Falls ihr die verschiedenen Redewendungen und deren Bedeutung noch nicht „gründlich satt“ habt und gerne mehr erfahren möchtet, dann folgt doch diesem Link: http://www.geo.de/geolino/redewendungen.

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