Sinne täuschen

Was wir zu sehen glauben, entspricht nicht immer dem Bild, das unser Auge eigentlich einfängt und an unser Gehirn weiterleitet. Auch unsere Ohren sind nicht immer verlässliche Zeugen.

optische Täuschung

Dies ist ein statisches Bild und doch scheint es, als würden die blauen Ellipsen sich bewegen. Bild: CanStockPhoto

Mit eigenen Augen gesehen

Was wir zu sehen glauben, entspricht nicht immer dem Bild, das unser Auge eigentlich einfängt und an unser Gehirn weiterleitet. Denn dieses kann jedes neue Bild von Grund auf neu verarbeiten. Eine kurze Suchabfrage im Gedächtnis muss genügen. Wissen, Erinnerungen, Erlerntes und Erlebtes kommen dabei zum Zug. Meistens ist das sehr effizient. Es fürht beipsielswiese dazu, dsas ihr dne Anfagn deises Saztes, obwohl viele Buchstaben vertauscht sind, dennoch lesen könnt. Fehlendes wird ersetzt, Falsches korrigiert, Unnötiges ausgefiltert.

Aber eigentlich verlässliches Wissen kann auch zu Fehlschlüssen führen. Manchmal sind die Hinweise, die unser Gehirn erhält, nicht eindeutig oder schlicht ungenügend. Dann kann die Wahrnehmung hin und her springen:

optische Täuschung Ente-Hase

Bild: Wikimedia Commons

Aus der Ente wird plötzlich ein Hase ...

optische Täuschung jung-alt

Deutsche Postkarte mit Kippbild aus 1888. Bild: Wikimedia Commons

... und aus der verführerisch schönen jungen Frau eine zahnlose Greisin.

Bild: Nobuyuki Kayahara/Wikimedia Commons, CC-Lizenz

In welche Richtung dreht sich die Tänzerin?

optische Täuschung Würfel

Bild: Anton (rp) 2005/Wikimedia Commons, CC-Lizenz

Und sehen wir den Würfel nun von unten ober von oben?

Kinder lassen sich oft weniger von optischen Täuschungen reinlegen als Erwachsene: Sie haben noch weniger Wissen, Erinnerungen, Erlerntes und Erlebtes, das sie nutzen können, um richtig oder auch falsch zu interpretieren.

Eine Sammlung weiterer optischer Täuschungen findest du in unserer Galerie "Optische Täuschungen" sowie auf dieser Website.

Nahe ans Bild, das linke Auge zuhalten und mit dem anderen das Kreuz fixieren. Jetzt langsam den Abstand verändern, ein bisschen hin und her bewegen, bis ihr die Position findet, in der der schwarze Kreis und die Lücke in der schwarzen Linie verschwinden. Warum? Weil euer Auge sie nicht mehr sieht und euer Gehirn sie ihrer unmittelbaren Umgebung entsprechend ergänzt: wo der Punkt war, wird der weisse Hintergrund eingeblendet, wo die Lücke war, die Linie weitergeführt.

Findet den blinden Fleck!

Neben falsch ausgelegtem Wissen gibt es einen weiteren Grund für optische Täuschungen: Wo der Sehnerv in die Netzhaut eintritt, befinden sich keine lichtempfindlichen Rezeptoren: Dort ist unser Auge blind. Jedes Bild, es einfängt, enthält also einen blinden Fleck. Eine Leerstelle will unser Hirn uns aber nicht zumuten und füllt sie für uns auf. Auch dabei stützt es sich auf unser Wissen und unsere Erfahrung und nimmt zum Stopfen der Lücke das, was am plausibelsten scheint. Mit dem, was wir eigentlich sehen sollten, stimmt das nicht unbedingt überein. Ein Beispiel findet ihr links: Folgt der Anleitung und ihr erlebt mit, wie euer zentraler Bordcomputer fehlende Informationen durch das ersetzt, was gerade zur Hand ist.

Weiteres zum blinden Fleck erfährst du im Artikel "Gelber Fleck und blinder Fleck – was ist der Unterschied?".

Mit eigenen Ohren gehört

Aus denselben Gründen sind auch unsere Ohren nicht immer verlässliche Zeugen. Sicher ist dir die heisse Diskussion um den Audioclip nicht entgangen, bei dem die einen mit Bestimmtheit "Laurel" hören, während die anderen darauf schwören, dass es "Yanny" ist. Die Erklärung lautet simpel, ist aber technisch anspruchsvoll: Neben der Qualität des Abspielgeräts und der eigenen Erwartungshaltung (weiss man schon, was die meisten in unserem Umfeld hören), kommt es offenbar vor allem auf den "Frequenzfilter" an, den unser Gehirn einsetzt. Ältere Menschen zum Beispiel tendieren dazu, die hohen Frequenzen, die sie nicht mehr hören können, zu kompensieren.

MP3 nutzt Sinnestäuschung

Sinnestäuschungen des Gehörs werden auch für sehr praktische Dinge genutzt. Beispielsweise MP3: Dieses weit verbreitete Verfahren, um Audiodateien zu komprimieren, nutzt den Umstand, dass wir von zwei Tönen, die ähnlich hoch sind, nur den lauteren wahrnehmen. MP3 "löscht" die Töne, die wir nicht wahrnehmen, und die Dateien werden viel kleiner.

Laurie – nein, Yanny!

Tonleiter rauf oder runter?

Und wie viele Töne werden abgespielt, zwei oder drei?

Die scheinbar nie endende Tonleiter

Am eigenen Körper erfahren

Und noch komplizierter wird es, wenn die Eindrücke, die beispielsweise das Auge dem Gehirn liefert, überhaupt nicht mit denen zusammenpassen, die ein anderes Sinnorgan ihm meldet. Es versucht dann, die unterschiedlichen Wahrnehmungen unter einen Hut zu bringen und blendet dabei, wenn es sein muss, auch mal die Logik aus: Das zeigt die Puppenhand-Illusion, bei der eine Gummihand plötzlich als eigener Körperteil wahrgenommen wird (Video verfügbar bis 21.06.2021).

Text: SATW / Christine D'Anna
Quelle: Technoscope 3/18: Technik für die Sinne. Technoscope ist das Technikmagazin der SATW für Jugendliche

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