Macht Cannabis süchtig?

Zwar macht Cannabis nicht körperlich süchtig wie beispielsweise Heroin, aber immerhin fünf bis zehn Prozent der Cannabiskonsumenten sind psychisch abhängig.

Die Hanfpflanze wird seit der Antike vielfältig genutzt

Die Hanfpflanze wird seit der Antike vielfältig genutzt - nicht nur als Rauschmittel! Sie war auch Heilmittel, Tierfutter, und wurde für die Textilien- und Papierherstellung verwendet. Bild: Ronen/Shutterstock.com

Bei Cannabis scheiden sich die Geister: Für die einen ist Cannabis eine gefährliche Einstiegsdroge, die zum Konsum härterer Drogen führt, für die anderen ein harmloses Genussmittel. Grundsätzlich gilt: Weder das eine noch das andere stimmt so, aber auch weder das eine noch das andere sind völlig falsch.

Die psychische Abhängigkeit ist hartnäckiger als die körperliche Sucht

Fakt ist: Cannabis macht nicht körperlich süchtig wie beispielsweise Heroin oder Alkohol. Wer diese absetzt, muss mit Entzugssymptomen wie starken Schmerzen, Übelkeit, Schüttelfrost oder Halluzinationen rechnen. Ein Cannabisentzug kann höchstens zu Schlaflosigkeit oder Unruhe führen, und auch das nur selten.

Doch die körperliche Abhängigkeit von Drogen ist das kleinere Übel. Diese ist nämlich nach einigen Tagen überstanden, doch der psychische Entzug dauert um einiges länger, vielleicht sogar lebenslang. Und Cannabis kann psychisch abhängig machen: Etwa 5 bis 10 Prozent der Konsumenten sind süchtig. Im Vergleich zu anderen Drogen ist das wenig, aber das Suchtpotenzial ist eindeutig vorhanden und sollte nicht unterschätzt werden.

Psychisch süchtig zu sein, das bedeutet: Sich ständig um die Beschaffung der Droge zu sorgen, sich bei jeglichen Problemen in den Rausch zu flüchten, nur noch mit Hilfe der Droge wirklich Entspannung oder Zufriedenheit zu empfinden. Im schlimmsten Fall dreht sich das ganze Leben nur noch um die Beschaffung und den Konsum der Droge, weil man ohne sie nichts mehr bewältigen kann.

Cannabis wirkt sich bei regelmässigem Konsum auf die Konzentrations- und Lernfähigkeit aus

Aber auch ohne die Probleme einer Abhängigkeit ist es nicht ganz harmlos regelmässig zu kiffen. Der Hauptwirkstoff der Cannabispflanze heisst Tetrahydrocannabinol (THC) und sorgt für die je nachdem gehobene oder gedrückte Stimmung, die Entspannung und die intensiven Sinneswahrnehmungen.

Gleichzeitig wirkt sich dieser Stoff aber auch auf die Gedächtnis- und Konzentrationsfähigkeit aus, und bei regelmässigem Konsum kann das zu Lernschwierigkeiten und verminderter Leistungsfähigkeit führen. Bei anderen Menschen führt der hohe Cannabiskonsum zu Unruhe und Angst, wieder andere fühlen sich mit der Zeit antriebslos und niedergeschlagen.

Ja, es stimmt: Kiffen kann wahnsinnig machen – wenn man eine gewisse Veranlagung mitbringt.

Gefährlich ist aber vor allem eines: THC kann Psychosen auslösen, zumindest bei Menschen, die eine Veranlagung dafür haben. Psychosen sind starke psychische Störungen, bei denen ein Realitätsverlust im Denken, Wahrnehmen und Verhalten besteht. Weniger abstrakt gesagt: Während einer Psychose hat man Wahnvorstellungen und fühlt sich beispielsweise von allen verfolgt, als Opfer einer Verschwörung. Was vielleicht lustig klingt, kann sehr gefährlich werden, da sich solche Menschen sehr aggressiv verhalten können. Auch sie selbst sind gefährdet: So kann sich ein psychotischer Mensch zum Beispiel für unverwundbar halten und vor ein Auto rennen …

Der Grund dafür ist vermutlich, dass THC gewisse Botenstoffe im Gehirn beeinflusst, die für die Entstehung von Psychosen mitverantwortlich gemacht werden. Je häufiger man raucht, desto höher das Risiko. Dasselbe gilt für den THC-Gehalt, was schlechte Nachrichten für die Schweizer Konsumenten sind.

Unsere Eltern haben Recht: Früher war Kiffen weniger gefährlich

Denn in letzter Zeit sind in den Zeitungen Meldungen aufgetaucht, dass Cannabis heute um ein vielfaches stärker und darum gefährlicher sei also noch vor 15 Jahren. Was für Europa nicht belegt werden konnte, ist für die Schweiz leider wahr. Gemäss einer Untersuchung der Universität Bern ist das heute erhältliche Marihuana (die getrocknete und zerkleinerte Form der Cannabis-Pflanze) 7- bis 18-mal stärker als noch vor wenigen Jahren. Der Grund dafür ist, dass ein grosser Teil der Pflanzen aus „Indoor“-Produktion stammt, also unter kontrollierten und optimalen Verhältnissen gezüchtet wird. Dieses Cannabis weist durchschnittlich einen THC-Gehalt von 21 Prozent auf. Zum Vergleich: Was die Blumenkinder in den 70er Jahren zu sich genommen haben, hatte im Durchschnitt eine Stärke von einem oder zwei Prozent.

Gefährlicher als der THC-Gehalt ist die psychische Verfassung und das soziale Umfeld

Cannabis ist also durchaus nicht harmlos, zumindest nicht in höheren Dosen. Doch insgesamt ist es weitaus unschädlicher als Alkohol, und es macht viel weniger süchtig als Nikotin.

Die grösste Gefahr, abhängig zu werden, liegt nicht bei der Droge, sondern beim Konsumenten: Wer sich vor Problemen und Schwierigkeiten in den Rausch flüchtet, wer psychisch bereits angeschlagen ist, wer im Leben wenig Perspektiven sieht und mit seinen Freunden keine anderen Dinge unternimmt, die Spass machen, läuft Gefahr, süchtig zu werden. Und aus denselben Gründen auch andere – härtere – Drogen auszuprobieren.

Wer sich weiter über Cannabis und andere Drogen informieren will, wird auf der Website drugcom.de fündig. Unter anderem finden sich hier ein Risikotest und Tipps zum Aufhören.

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