Hygiene – eine Frage der Definition ...

Händewaschen nach dem Gang zur Toilette ist für uns ebenso selbstverständlich wie Essen mit Messer und Gabel oder Zähneputzen. Doch war das schon immer so?

Chirurgen ohne Handschuhe – bei uns wäre das heute unvorstellbar

Chirurgen ohne Handschuhe – bei uns wäre das heute unvorstellbar. Bild: StockLite/Shutterstock.com

Hygiéia, die griechischen Göttin der Gesundheit, hat unserem Wort „Hygiene“ den Namen gegeben. Mit ihrer ausgeprägten Badekultur taten die alten Griechen und Römern auch einiges für die Hygiene. Allerdings wussten sie noch nicht viel darüber, wie Sauberkeit die Übertragung von Krankheiten verhindern kann. Dies war auch im frühen Mittelalter noch so: Für die Menschen dieser Zeit hätte die Göttin Hygiéia nur ein Kopfschütteln übrig gehabt!

Strassen- und Körpersauberkeit

Da es im 12. Jahrhundert noch keine „Müllmänner“ gab, warfen die Menschen einfach all ihre Reste und Abfälle auf die Strassen. Exkremente und Müll blieben liegen und wurden so zu einem idealen Nährboden für Viren und Bakterien. Gebadet wurde allerdings regelmässig, im Gegensatz zu den Gebräuchen in der Renaissance: Im 17. Jahrhundert dachte man, beim Waschen könne das Wasser durch die Haut in den Körper dringen und ihn so mit Krankheiten infizieren. Darum wurde die sich bildende Schmutzschicht als eine Art „Körperschutz“ betrachtet. Körpergeruch wurde mit einer grossen Portion Puder und Parfüm bekämpft.

Wissenschaftlicher Fortschritt für die Hygiene

Wichtig für das „Hygienebild“ war das vorhandene medizinische und biologische Wissen. Die Pest und andere schlimme Seuchen galten früher als „Strafe Gottes“. Ende des 17. Jahrhunderts entdeckte man dann die Mikroorganismen und ihre Rolle in der Krankheitsübertragung. Erst Mitte des 19. Jahrhunderts merkte ein Arzt, dass das Händewaschen vor Operationen die Infektion von Patienten verhinderte. Von nun an empfahl man die tägliche Körperpflege mit Wasser und Seife, um sich nicht mit einer Krankheit anzustecken. Auch die Impfung wurde nun entdeckt. So konnte man zusammen mit der richtigen Hygiene viele Krankheiten eindämmen.

Seife – ein „Universalkampfmittel“

Das Prinzip einer „Seife“ ist übrigens in der Geschichte schon lange bekannt. Nordafrikaner, Römer und Griechen benutzten ein Gemisch aus Pflanzenasche und Öl als Heilmittel und später auch als Reinigungsmittel. Eine Seife wird aus einer alkalischen Phase (heute zum Beispiel Natronlauge, früher die Pflanzenasche) und einem pflanzlichen oder tierischen Fett hergestellt. Die beiden Stoffe reagieren miteinander (man nennt dies in der Chemie „Verseifung“). Die entstehenden Seifenmoleküle besitzen einen wasserabweisenden und einen wasseranziehenden Teil. Der wasserabweisende Teil ist gleichzeitig lipophil, das heisst er ist „fettliebend“. (Weil das Seifenmolekül so aufgebaut ist, kann man aus einer Seifenlösung auch Seifenblasen herstellen.)

Wenn nun etwas Fettiges mit Seifenlösung behandelt wird, verbinden sich die lipophilen Teile der Seifenmoleküle mit dem Fett und kapseln dieses in Tropfen ein. Jeder Fetttropfen befindet sich dann im Inneren einer Kugel von Seifenmolekülen mit wasseranziehenden Enden aussen. Dieses Gebilde nennt man eine Micelle. Es lässt sich mit Wasser wegwaschen. Wie das funktioniert, erklärt dir der Chemiereporter Mark im Podcast "Wie macht Seife sauber?" auf der Homepage der BASF. Da auch Staub und Dreck aller Art zum Teil aus Fett bestehen, kann man mit Seife und Wasser den Körper reinigen, und Krankheitserreger werden weggespült.
Neuerdings versucht man übrigens, Seife noch aus anderen Rohstoffen herzustellen – zum Beispiel eine Bioseife aus Pflanzenöl und Zucker.

Gute Hygiene für alle

Obwohl Seife in allen Kulturen auf der Welt verbreitet ist, herrschen doch nicht überall gute Hygienebedingungen. In vielen Drittweltländern ist kein sauberes Wasser vorhanden, und es fehlt das Geld für Impfstoffe und eine ausreichende Ernährung. In diesen Ländern ist die Aufklärung über die Krankheitsübertragung sowie finanzielle Unterstützung besonders wichtig.

Übrigens gibt es sogar ein „Deutsches Hygiene-Museum“ in Dresden mit spannenden Ausstellungen ...

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