Lemuren, die pelzigen Baumbewohner Madagaskars

Es gibt Tiere, die kommen nur in einem kleinen Gebiet auf der ganzen Erde vor. Dazu gehören die Lemuren auf der Insel Madagaskar.

Eine Katta-Familie

Kattas sind die wohl bekanntesten Lemuren. Man erkennt sie an ihrem schwarz-weiss geringelten Schwanz. Bild: CanStockPhoto

Auf Madagaskar gibt es fast 100 verschiedene Arten von Lemuren. Jede dieser Arten hat ein einzigartiges Aussehen und Verhalten. Insgesamt sehen Lemuren ein bisschen aus wie Affen, allerdings sind sie nicht direkt mit ihnen verwandt.

Verschiedene Lemuren

Auf diesem Bild siehst du verschiedene Lemurenarten (von links nach rechts und von oben nach unten): Katta, Diademsifaka, Fingertier, Archaeoindris (bereits ausgestorben), Grauer Mausmaki, Rotschwanz-Wieselmaki, Rotstirnmaki und Schwarzweißer Vari. Bild: Maky/Wikimedia Commons, CC-Lizenz

Lemuren ernähren sich von vielen verschiedenen Dingen – je nach Jahreszeit und Angebot in ihrem Lebensraum. Am liebsten mögen sie Früchte, doch es gibt auch Lemuren, die Knospen und Blätter fressen oder Nektar trinken. Manche Lemuren fressen auch wirbellose Tiere, wie zum Beispiel Insekten, Spinnen oder Tausendfüssler. Da sie sich von so vielen verschiedenen Dingen ernähren, nennt man sie Allesfresser.

Die meisten Lemuren sind Baumbewohner und kommen nur ganz selten auf den Boden. Um von einem Baum zum nächsten zu gelangen, klettern die einen senkrecht nach oben und springen in aufrechter Haltung; andere Lemuren laufen auf allen vier Beinen.

Die bekannteste Lemurenart ist der Katta. Kattas sind ungefähr 40 cm gross, ihr Schwanz nochmals etwa 60 cm lang. Dieser Schwanz ist schwarz-weiss geringelt und macht den Katta unverwechselbar. Im Englischen wird der Katta deswegen auch „ring-tail lemur“ genannt, was frei übersetzt „Ringelschwanz-Lemur“ heisst.

Hand eines Fingertiers

Die linke Hand eines Fingertiers. Der Mittelfinger ist länger und sehr viel dünner als die anderen Finger an der Hand. Damit kann das Fingertier gut nach Larven in Bäumen suchen. Bild: Dr. Mirko Junge/Wikimedia Commons, CC-Lizenz

Auf Madagaskar lebt auch das Aye-Aye oder Fingertier. Das Fingertier findet seine Nahrung auf eine ganz besondere Art und Weise: Es klopft an Bäume, um nach Larven zu suchen, die sich in der Rinde oder im Holz der Bäume versteckt halten. Wenn es eine Beute ausfindig gemacht hat, nagt das Fingertier mit seinen Schneidezähnen Löcher in die Bäume. Mit seinem langen Mittelfinger angelt es dann die Larven aus dem Loch und frisst sie.

Lemuren leben gerne mit anderen Lemuren zusammen

Unter den Lemurenarten gibt es viele verschiedene Sozialformen. So gibt es zum Beispiel Lemuren, die alleine auf Futtersuche gehen, aber gemeinsam in einem Nest schlafen. Andere Lemurenarten halten sich hauptsächlich in grossen Gruppen auf, in denen mehrere erwachsene Männchen und Weibchen und ihre Jungtiere miteinander leben. Diese Gruppen sind meistens von Weibchen dominiert. Das heisst, dass die Weibchen entscheiden, wo die Gruppe nach Nahrung sucht und ausserdem die Weibchen das beste Futter bekommen. Es gibt aber auch monogame Lemuren. Das bedeutet, dass ein Weibchen und ein Männchen mit ihren Jungtieren jahrelang in einer kleinen Familiengemeinschaft zusammen leben.

Wie kamen die Lemuren eigentlich auf die Insel Madagaskar?

Madagaskar ist eine Insel im Indischen Ozean, die vom Festland durch die Strasse von Mosambik getrennt ist. Dieser Ausläufer des Indischen Ozeans ist 400 km breit (das ist eine grössere Strecke als die Schweiz von Westen nach Osten breit ist). Da Lemuren solch eine lange Strecke nicht schwimmen können, stellt sich die Frage, wie die Vorfahren der Lemuren nach Madagaskar gekommen sind. Man geht davon aus, dass sie zufällig nach Madagaskar gelangten. So könnte es sein, dass sich vom afrikanischen Festland Erdschollen mit Baum- und Pflanzenmaterial lösten, eine Art Floss bildeten und von Meeresströmungen nach Madagaskar getrieben wurden. Auf diesem Floss könnten die Vorfahren der Lemuren auf die Insel gelangt sein. All dies geschah vor ungefähr 62 bis 65 Millionen Jahren.

Fast alle Lemuren sind vom Aussterben bedroht

Durch die Abholzung des Regenwalds auf Madagaskar wird der Lebensraum der Lemuren zerstört. Es gibt bereits viele Projekte, um die Abholzung des Regenwalds zu stoppen. Doch die weit verbreitete Armut und ein instabiles politisches System führen dazu, dass der Wald weiterhin illegal gerodet wird. Deswegen ist es besonders wichtig, die Menschen auf Madagaskar zu unterstützen, damit der Regenwald nicht weiter abgeholzt wird und die einzigartigen Lemuren der Welt erhalten bleiben.

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