Wildbienen

Wildbienen sind wichtige und faszinierende Insekten, die sich je nach Art in Aussehen und Lebensweise sehr unterscheiden. Allein in der Schweiz gibt es über 600 Wildbienenarten, weltweit sogar rund 20’500 Arten! Leider sind viele Wildbienenarten bedroht.
Honigbiene
Honigbienen auf einer Wabe
Beim Wort „Biene“ denkt man erst einmal an die typische Honigbiene, die auch Westliche Honigbiene genannt wird. Sie ist jedoch keine natürliche Bienenart. Sie wurde gezüchtet, damit sie möglichst viel Honig produziert. CanStockPhoto
Dunkle Honigbiene
Biene, auf einer violetten Skabiosenblüte nach Nektar suchend
Die Dunkle Honigbiene ist eine natürliche, heimische Honigbienenart. Sie ist dunkler und kleiner als die Westliche Honigbiene. Sie produziert auch weniger Honig, ist jedoch besser an unser Klima angepasst. Daher ist sie eine Alternative zur gezüchteten Honigbiene. Doch sie droht auszusterben, da sie sich mit der Westlichen Honigbiene paart und so genetisch gemischte Nachkommen entstehen. Christian Ferrer/Wikimedia Commons, CC BY-SA 4.0
Die Hummel
Hummel auf einer violetten Blüte
Auch Hummeln gehören zur Familie der Bienen. In der Schweiz leben etwa 40 verschiedene Hummelarten. Sie leben wie Honigbienen in Völkern, wobei die meisten Hummeln Arbeiterinnen sind. Zudem gibt es einige Männchen und eine Königin. Im Herbst sterben bis auf die bereits begattete Königin alle Tiere ab. Im Frühjahr sucht sich die Königin dann eine geeignete Stelle zum Nisten und zur Eiablage, wo sie ihr neues Volk gründet. Je nach Art nisten Hummeln unter der Erde oder überirdisch, etwa in hohlen Baumstämmen, Laub oder Moos. CanStockPhoto
Gehörnte Mauerbiene
Biene mit kleinem Tonklumpen als Baumaterial zwischen den Vorderbeinen.
Die Gehörnte Mauerbiene ist schlank, pelzig und etwa 8–14 mm gross. Sie ist ab März etwa 4 bis 6 Wochen lang unterwegs, in denen sie Nahrung sammelt. Die Gehörnte Mauerbiene lebt wie die meisten Wildbienenarten solitär, also ohne Volk und ohne Königin. Stattdessen bauen die Weibchen ihre eigenen Nester, die aus einzelnen Brutzellen bestehen. Dazu suchen sie sich Hohlräume, etwa in Totholz, lockerem Gestein, Trockenmauern oder auch in den Röhren von Nisthilfen oder „Wildbienenhotels“. Die Brutzellen werden mit Lehm verschlossen. HAZET/Wikimedia Commons, CC BY-SA 4.0
Eiablage
Aufgeschnittenes Niströhrchen mit Bienenei und gelblichem Pollenklumpen
Die Weibchen der Gehörnten Mauerbiene legen während ihrer aktiven Flugzeit im Frühjahr etwa 20 bis 40 Brutzellen an. Auf dem Bild sieht man ein frisch gelegtes Ei in einer verschlossenen Brutzelle, die mit einem Gemisch aus Nektar und Pollen gefüllt ist. entomart/Wikimedia Commons
Entwicklung der Larven
Bienenlarve in aufgeschnittenem Niströhrchen
Aus den kleinen Eiern schlüpfen Larven, die sich vom Futter ernähren, welches ihre Mutter ihnen mit in die Brutzelle gelegt hat. entomart/Wikimedia Commons
Verpuppung
Bienenpuppe mit weisslichen Kokonfäden in aufgeschnittenem Niströhrchen
Wenn die Larve nach einigen Wochen genug gefressen hat und gross genug ist, legt sie einen Kokon an, in dem sie auch überwintert. Im nächsten Frühjahr schlüpfen die Bienen und knabbern sich aus dem Nestverschluss. Übrigens: Befruchtete Eier der Gehörnten Mauerbiene werden zu Weibchen und unbefruchtete zu Männchen. entomart/Wikimedia Commons
Blaue Holzbiene
Wildbiene auf Lavendelblüte
Mit fast 3 cm Länge ist die Blaue Holzbiene die grösste Wildbienenart der Schweiz. Ihr Körper ist schwarz, doch ihre Flügel schimmern auffallend blauschwarz bis violett. Der Name „Holzbiene“ kommt daher, dass die Weibchen Brutgänge in morsches Holz nagen, wo sie ihre Eier ablegen. Anders als bei anderen Bienen schlüpfen die Jungtiere direkt aus der Larve. Sie sind dann aktiv bis zum Herbst und halten Winterruhe bis zum nächsten Jahr. Die Blaue Holzbiene mag am liebsten pollenreiche Blüten. CanStockPhoto
Sand- oder Erdbienen
Wildbiene, die gerade ihr Erdloch verlässt
Etwa drei Viertel der Wildbienen nisten in sandigen bis lehmigen Böden. Dort graben sie Gänge und bauen einzelne Zellen für die Eiablage. Die Weibchen sammeln Nektar und Pollen für die Zellen, legen je ein Ei hinein und verschliessen die Zellen, ähnlich wie die Mauerbiene. CanStockPhoto
Ein Schneckenhaus als möglicher Eiablageplatz
Leeres Schneckenhaus zwischen vertrockneten Blättern
Einen besonderen Nistplatz sucht sich die Zweifarbige Schneckenhausbiene: zurückgelassene Schneckenhäuser! Hirushini Dematagoda/Wikimedia Commons, CC BY-SA 4.0
Schneckenhausbiene
Schneckenhausbiene auf getrockneten Gräsern und anderen Pflanzen, darunter versteckt scheint das Schneckenhaus zu liegen
Die leeren Schneckenhäuser werden von der Zweifarbigen Schneckenhausbiene mit Nektar und Pollen teilweise gefüllt, dann legen die Weibchen 1 bis maximal 4 Eier. Der Eingang des Hauses wird mit einem Mörtel aus zerkauten Blattteilen, Erde und Steinchen verschlossen. Die Bienen drehen dann das Schneckenhaus mit der Öffnung zum Boden und tarnen es mit Pflanzenmaterial. Bien-Zenker GmbH/Wikimedia Commons, CC BY-SA 4.0
Wichtige Bestäuber
Hummel auf Apfelbaumblüte
Wildbienen brauchen Blüten, um sich von ihrem Pollen und Nektar zu ernähren. Die Blüten von Obstbäumen, zum Beispiel dem Apfelbaum, sind im Frühjahr sehr beliebt bei Bienen. Obstbäume und andere Nutzpflanzen sind darauf angewiesen, dass sie bestäubt werden, um ihre Früchte zu entwickeln. Die Mehrheit der Bestäubungsarbeit wird dabei von Wildbienen und anderen Insekten und nicht von Honigbienen geleistet. Daher ist der Wert von Wildbienen für die Landwirtschaft enorm gross! CanStockPhoto
Wildblumen
Wildblumenwiese
Wildblumen sind ebenso eine wichtige Futterquelle. Je nach Art bevorzugen Wildbienen unterschiedliche Blüten. Hummeln haben zum Beispiel lange Rüssel und kommen somit auch an den Nektar von langen Blüten. Ausserdem sind verschiedene Wildbienenarten zu unterschiedlichen Jahreszeiten unterwegs. Während manche vom Frühjahr bis zum Winter Nahrung sammeln, sich andere nur während weniger Wochen unterwegs. Daher ist es wichtig, dass es in Gärten und auf anderen Flächen eine grosse Vielfalt an Blumen gibt, die zu unterschiedlichen Zeiten blühen. CanStockPhoto
Fressfeinde: Der Bienenfresser
Bienenfresser, auf einem Zweig sitzend
Wildbienen sind ein wichtiger Teil der Nahrungskette und haben einige natürliche Fressfeinde, zum Beispiel den Bienenfresser. Der farbenprächtige Vogel kommt ursprünglich aus wärmeren Gebieten, doch mittlerweile brütet er auch in einigen Gebieten der Schweiz. Wie sein Name sagt, verspeist er gerne Bienen. CanStockPhoto
Räuberische Bienenkäfer
Länglicher schwarz-roter Käfer auf weissen Blüten
Die rot-schwarzen Bienenkäfer wirken wie friedliche Blütenbesucher. Doch die Weibchen legen ihre Eier in die Nester von Bienen oder in deren Nähe. Dort fressen die Bienenkäferlarven die Larven und Puppen von Wildbienen (oder auch von Honigbienen). Jean-Raphaël Guillaumin/Wikimedia Commons, CC-Lizenz
Das Sterben der Wildbienen
Tote Biene auf steinigem Boden
Viele wissenschaftliche Studien zeigen, dass die Zahl der Wildbienen zusammen mit anderen Insekten und wirbellosen Tieren zurückgeht. Je nach Ort und Lebensraum ist der Rückgang weniger spürbar oder aber sehr stark ausgeprägt. Ein Zusammenspiel von mehreren Faktoren sorgt dafür, dass inzwischen viele Wildbienenarten gefährdet sind. chacallot/Wikimedia Commons, CC-Lizenz
Verlust von Lebensraum
Ziege auf der Weide
Ein wichtiger Grund für die Gefährdung der Wildbienen ist, dass sie heute weniger geeigneten Lebensraum mit Nahrung und Nistmöglichkeiten finden. Zum Beispiel sind intensiv genutzte Wiesen für sie fast wertlos. Diese werden gedüngt und produzieren dadurch viel Futter für Nutztiere, aber diese Biomasse besteht fast ausschliesslich aus Gras. Es wachsen an diesen Stellen also kaum noch Blumen. CanStockPhoto
Intensive Landwirtschaft
Mähdrescher auf ausgedehntem Getreidefeld
Auch auf Feldern, zum Beispiel mit Getreide, finden Wildbienen keine Nahrung. Ausserdem werden dort oft Pflanzenschutzmittel verwendetet, die nicht nur Schädlingen, sondern auch nützlichen Insekten schaden. CanStockPhoto
Triste Gärten
Villa mit gepflegtem Rasen und Kieszufahrt
Siedlungsgebiete bieten auch oft keine guten Lebensbedingungen für Wildbienen. Viel Fläche ist mit Gebäuden oder Strassen versiegelt. Und in vielen Gärten und Wohngebieten gibt es grosse Flächen mit Rasen, der oft gemäht wird, sodass keine Blumen wachsen. Zudem sind sogenannte Schottergärten verbreitet, wo der Boden mit Vlies und Steinen abgedeckt wird. CanStockPhoto
Pflanzen ohne Nektar und Pollen
Balkonkasten mit roten Geranien
Ein anderes grosses Problem sind nichteinheimische Pflanzen. Viele wurden entweder als Zierpflanzen eingeführt oder versehentlich in unsere Ökosysteme eingeschleppt. Zwar dienen einige von ihnen mit ihren Blüten auch hiesigen Wildbienen als Nahrungsquelle, viele andere aber nicht. Ausserdem verbreiten sich einige fremde Arten stark in der Natur und verdrängen heimische Pflanzen. Hinzu kommt, dass einige beliebte Gartenblumen durch starke Zucht ihren Wert für Insekten verloren haben. Ein Beispiel dafür ist die Geranie: Die beliebte Balkon- und Gartenblume wurde so stark auf grosse Blüten und lange Blühdauer optimiert, dass sie dafür keinen Nektar und Pollen mehr produziert, der Insekten als Nahrung dienen könnte. CanStockPhoto
Alle können helfen
Blühender Lavendel im Topf
Politische Entscheidungen und Massnahmen in Siedlungsplanung und Landwirtschaft können die Bedingungen für Wildbienen verbessern. Doch auch jeder und jede Einzelne kann etwas tun! Obstbäume, Beeren und Wildblumen im Garten sind zum Beispiel eine gute Nahrungsquelle für Wildbienen. Und auch auf dem Balkon lassen sich sogenannte „Bienenweiden“ ansäen. Wichtig ist, dass es Blumen sind, die von Bienen genutzt werden können, wie einheimische Wildpflanzen oder Lavendel. CanStockPhoto
Wildbienenhotels
Auswahl von professionellen Bienen-Nisthilfen in einem Naturschutzzentrum
In den letzten Jahren sind sogenannte Bienen- oder Insektenhotels beliebt geworden. Doch ihr Nutzen ist begrenzt: Einerseits können nur wenige Wildbienenarten dort nisten, da die meisten Arten ihre Nester im Boden bauen. Andrerseits gibt es im Handel viele Modelle zu kaufen, die den Bienen nicht die richtigen Bedingungen bieten und deshalb nicht von ihnen benutzt werden. Auch Selberbauen ist nicht ganz trivial: Material und Durchmesser der Röhrchen müssen stimmen, und die Verarbeitung muss gut sein, da ausgefranstes Holz die Bienen verletzen kann. Daher sollte man sich vor dem Kauf oder Bau unbedingt nach den Kriterien für ein artgerechtes Wildbienenhaus informieren. Manche Naturschutzzentren verkaufen Bienenhotels (siehe Bild) und können eine gute Anlaufstelle sein. Wichtig ist auch, dass Nisthilfen dort stehen, wo Wildbienen genug Nahrung finden. Ra Boe/Wikimedia Commons, Creative Commons CC-by-sa-3.0 de
Pflanzenstängel als Nisthilfe
Stücke von dornigen, markhaltigen Pflanzenstängeln, im Garten aufgehängt
Einige Wildbienen nisten in markhaltigen Pflanzenstängeln. Daher kann man abgeschnittene Stängel von Brombeeren oder Sonnenblumen im Garten oder auf dem Balkon anbringen. Ra Boe/Wikimedia Commons, Creative Commons CC-by-sa-3.0 de
Sandstellen
Wildbiene am Eingang zu ihrem Erdloch
Da die meisten Wildbienen in sandigem Boden nisten, kann man sie unterstützen, indem man im Garten eine sandige Stelle anlegt oder auf dem Balkon geeigneten Sand in einem Topf oder anderen Gefäss bereitstellt. Anleitungen und Tipps für Sandstellen und viele weitere Massnahmen findet man zum Beispiel bei Naturschutzorganisationen. CanStockPhoto