Lebensspannen – von sehr kurz bis sehr lang

Die Lebensspanne der Erdbewohner unterscheidet sich von Art zu Art sehr stark. Wer wohl älter wird, der Mensch, der Grönlandwal oder doch vielleicht „Ming“?
Mensch
Lebenserwatung Mensch
Unter Lebenserwartung (auch Lebensspanne) versteht man die durchschnittliche, prognostizierte Lebenszeit eines Lebewesens zwischen Geburt und Tod, gemessen am Zeitpunkt der Geburt. Beim Menschen hängt die Lebenserwartung von zahlreichen Faktoren ab: Gesundheitsbewusstsein, Ernährung, hormonelle und genetische Faktoren, Umweltkatastrophen und Kriege beeinflussen die Lebenserwartung. Aus der Karte wird ersichtlich, dass sich die Lebenserwartung je nach Land stark unterscheidet. In dunkelgrün bis gelb schattierten Ländern liegt sie bei über 70 Jahren (dunkelgrün: >82 J., gelb: 70-71 J.), in orange bis dunkelrot schattierten Ländern liegt sie bei unter 70 Jahren (orange: 65-69 J., dunkelrot: 35-39 J.). Dank Fortschritten in Medizin und Landwirtschaft ist die Lebenserwartung des Menschen seit 1900 um über 40 Jahre gestiegen. Bild: thiste/Wikimedia Commons, CC-Lizenz.
Lomatia tasmanica
Lomatia tasmanica
Von dieser strauchförmigen Pflanze aus der Familie der Silberbaumgewächse existiert nur ein einziger Genet, d. h. eine einzige klonale Kolonie: Alle Ableger haben die gleiche Erbinformation und sind oder waren über die Wurzeln miteinander verbunden. Die aus etwa 500 Schösslingen bestehende und sich über einen Kilometer hinziehende Kolonie von Lomatia tasmanica wächst auf der Insel Tasmanien. Mithilfe eines fossilen Blattes konnte 1991 das Alter der Pflanze bestimmt werden: 43'600 Jahre. L. tasmanica gilt als stark gefährdet: Es gibt nur einen Bestand, Buschbrände sind in Tasmanien häufig und ein aus Südostasien eingeschleppter Eipilz verursacht bei Silberbaumgewächsen Wurzelfäule. Bild: Shantavira/Wikimedia Commons, CC-Lizenz.
Langlebige Kiefer
Langlebige Kiefer
Die Langlebige Kiefer (Pinus longaeva) kommt in den US-Staaten Kalifornien, Utah und Nevada vor. Zurzeit sind mehrere Exemplare bekannt, die über 4000 Jahre alt sind. Das älteste Individuum wurde im Jahr 2012 auf 5062 Jahre geschätzt. Sein genauer Standort wird geheim gehalten, die Art steht unter Schutz. Das Exemplar "Prometheus" wurde mit etwa 4844 Jahren gefällt und dient seither als Standard für die dendrochronologischen Jahresringtabellen. Bild: Stan Shebs/Wikimedia Commons, CC-Lizenz.
Die Muschel Ming
Muschel Arctica islandica
"Ming" ist der Name eines Exemplars der Muschelart Arctica islandica, dessen Alter auf 507 Jahre geschätzt wird. Ming wurde 2006 vor der isländischen Küste eingesammelt und war damit bis dahin das älteste noch lebende, nicht-klonale Tier. Wenn Ming tatsächlich 507 Jahre alt war, wäre sie 1499 „geboren“ worden – zur Zeit des Schwabenkriegs zwischen der Eidgenossenschaft und dem Haus Habsburg. Bild: Wanamaker et al./Wikimedia Commons, CC-Lizenz.
Röhrenwurm Lamellibrachia lumyesi
Röhrenwurm Lamellibrachia lumyesi
Das Bild zeigt Individuen des Röhrenwurms Lamellibrachia lumyesi. L. lumyesi wächst sehr langsam und kann bis zu 250 Jahre alt werden. Die bis zu 3 m langen Röhrenwürmer wachsen in hoher Zahl nah beieinander und bieten so über 100 anderen Tierarten Lebensraum. L. lumyesi kommt in der Nähe von kalten Quellen auf dem Meeresgrund vor, zum Beispiel in 500 bis 800 m Tiefe im nördlichen Golf von Mexico. Bild: Ian MacDonald/Wikimedia Commons, CC-Lizenz.
Grönlandwal
Briefmarke Grönlandwal
Grönlandwale (Balaena mysticetus) können über 200 Jahre alt werden und gelten als am längsten lebende Säugetiere. 2007 entdeckte man vor der Küste Alaskas einen 211-jährigen Grönlandwal mit einer Harpune im Nackenfett. Herstellungsort und -datum der Harpune konnten ermittelt werden und es stellte sich heraus, dass der Wal mehr als ein Jahrhundert mit der Harpune gelebt hatte. Bild: Bárður Jákupsson/Wikimedia Commons.
Bakteriensporen
Endospore
Bestimmte Bakterienarten (z. B. Bacillus anthracis (Milzbrand), Clostridium botulinum (Botulismus) und Clostridium tetani (Tetanus)) bilden bei schlechten Lebensbedingungen Sporen (weiss auf dem Mikroskopbild). Die Bakterien werden dabei kleiner und bekommen eine dicke Zellwand. So können sie Jahre – sogar Jahrhunderte – lang ohne Nahrung überleben und sind gegen extreme Umweltbedingungen wie Hitze, Trockenheit, UV- und radioaktive Strahlung oder Desinfektionsmittel resistent. Das muss bei der Sterilisierung von z. B. medizinischen Utensilien berücksichtigt werden, da diese Sporen bei verbesserten Lebensbedingungen sich zu normalen Bakterienzellen zurückwandeln und sich vermehren können. Es gibt Berichte, dass Bakteriensporen Millionen von Jahren überleben können, doch dies ist umstritten. Bild: Geoman3/Wikimedia Commons, CC-Lizenz.
Galápagos-Riesenschildkröte
Galápagos-Riesenschildkröte
Galápagos-Riesenschildkröten (Chelonoidis nigra) sind mit einem Alter von über 100 Jahren in freier Wildbahn die am längsten lebenden Landtiere. In Gefangenschaft werden die Tiere sogar bis zu 170 Jahre alt. Galápagos-Riesenschildkröten existieren heute nur noch auf zwei Archipelen: auf Galápagos und Aldabra. Die bekanntesten Vertreter sind Lonesome George, der 2012 als letzter Vertreter seiner Unterart starb, und Harriet, die bei ihrem Tod im Australia Zoo 2006 schon über 170 Jahre gelebt hatte. Bild: Mfield/Wikimedia Commons, CC-Lizenz.
Bauchhärlinge
Bauchhärling
Bauchhärlinge oder Flaschentierchen (Gastrotricha) sind winzige (0.06–3 mm) Bewohner von Süss- und Salzwassersystemen. Bauchhärlinge sind sehr einfache Tiere mit länglichem Körperbau und einer kurzen Lebensdauer von je nach Art 3–21 Tagen. Sie gelten damit als die Vielzeller mit der kürzesten Lebensspanne. Bis ins Jahr 2011 wurden beinahe 800 Arten beschrieben. Wegen ihrer geringen Grösse und da viele Arten nur saisonal vorkommen, wird vermutet, dass viele Arten noch nicht entdeckt worden sind. Bild: Jasper Nance/Wikimedia Commons, CC-Lizenz.
Lebende Fossilien
Roter Panda auf Ginkgo-Baum
Als lebende Fossilien werden Tiere oder Pflanzen wie der Rote Panda (Ailurus fulgens, Bild), Pelikane und Ginkgo-Bäume (Bild) bezeichnet. Die Lebensdauer eines einzelnen Tieres ist bei ihnen zwar nicht aussergewöhnlich lang oder kurz, dafür hat sich der Körperbauplan ihrer Art in sehr langer Zeit kaum verändert. Sie werden deshalb auch als Dauertypen/-formen bezeichnet. Der Begriff "lebendes Fossil" wurde bereits von Charles Darwin für diese Arten verwendet. Manche lebenden Fossilien, wie der Quastenflosser, galten gar als ausgestorben und wurden wiederentdeckt. Bild: Marshmallowbunnywabbit/Wikimedia Commons, CC-Lizenz.
Biologische Unsterblichkeit
Als biologische Unsterblichkeit wird das Stadium bezeichnet, in dem die Sterberate eines Lebewesens durch Alterung stabil oder abnehmend ist. Das Phänomen wird bei verschiedenen ein- und mehrzelligen Organismen beobachtet, so auch bei Turritopsis dohrnii, der "unsterblichen Qualle" (Bild). Während bei anderen Quallenarten die Adulten nach der Vermehrung absterben, kann T. dohrnii mittels eines Prozesses, der als Transdifferenzierung bezeichnet wird, wieder in den "Jugendzustand" zurückkehren. So toll das tönt, biologisch unsterbliche Organismen sind nicht immun gegen Krankheiten und Unfälle und können deshalb trotzdem sterben. Bild: Bachware/Wikimedia Commons, CC-Lizenz.